Chronik

Schon seit etwa 100 Jahren hat es immer wieder Gruppen in Pretzfeld gegeben, die auf den verschiedensten Instrumenten miteinander für kirchliche und weltliche Anlässe musizierten.

Die beiden Weltkriege brachten diese Gruppierungen zeitweise zum Erliegen, aber noch nach dem 2. Weltkrieg gab es eine Musikantengruppe, die dann aber langsam einschlief.

Der damalige erste Bürgermeister und Kreisrat Franz Och konnte das nicht verstehen und er sprach Anfang der 80er Jahre, also 1980/81, immer wieder Bürger und Jugendliche an, die ein Instrument spielen konnten bzw. die bereit waren, ein Instrument zu lernen und sei es nur, um die kirchlichen Prozessionen musikalisch zu umrahmen. Mit seinem Zutun lernte zum Beispiel Maria Kraus jeden Sonntag Vormittag bei Josef Hirner im Wohnzimmer mit dem Instrument von Franz Och das Trompetespielen. Andere holten ihr eingelagertes Instrument wieder hervor.  

Im Laufe des Jahres 82 lud Franz Och immer wieder zu Treffen ein, um den Traum von einer Musikkapelle zu realisieren. Er organisierte sogar über einen Spendenaufruf ein Startkapital von 1450 DM.

In einer der Niederschriften aus dieser Zeit ist zu lesen: - Alle Anwesenden sprechen sich für die Gründung einer Kapelle aus. Man sieht in der Gründung eine notwendige, kulturelle Bereicherung und auch eine Chance zur musikalischen Entfaltung der Jugend. –

Die beste Werbung für eine Kapelle ist jedoch der öffentliche Auftritt und so beschloss man, die Prozession an der Ewigen Anbetung am 2. Dezember 82 musikalisch zu umrahmen.

Jakob Merz nahm die Organisation in die Hand. Er brachte das Orgelbuch des Moggaster Organisten und Baßspielers Georg Distler mit und in einem Klassenzimmer der Schule wurden die einzelnen Stimmen abgeschrieben, transponiert und geprobt.

Am 24. Oktober 82 fand dann eine entscheidende Sitzung im Rathaus statt, der auch der Kreisvorsitzende des Nordbayerischen Musikbundes, Georg Häfner aus Kirchehrenbach, beiwohnte.

Franz Och leitete die Besprechung und konnte die Teilnehmer

Georg Herold, Klaus Kaluza, Maria Kraus, Monika Kraus, Martina Ochs, Matthias Ochs, Josef Ochs, Josef Hirner und Jakob Merz begrüßen.

Bei einer weiteren Versammlung am 9. Dezember 82 im Gasthaus Herbst wurden in das Gründungskomitee berufen: Jakob Merz, Josef Hirner, Klaus Kaluza, Georg Schüssel, Georg Herold, Alois Geißler, Andreas Reißer, Franz Och, Maria Kraus, Martina Ochs und Hans Heinlein.

Zum ersten Mal erscheint auch Ambrosius Leisgang unter den Anwesenden – ein Glücksfall, wie sich später herausstellte.

Nach Sitzungen am 22. Dezember 82 und 26. Januar 83 wurde als Termin für die Gründungssitzung der 29. April 1983 festgelegt.

Zu dieser Versammlung erschienen 19 Mitglieder. Franz Och, Andreas Reißer, Georg Herold und Georg Schirmer fungierten als Wahlausschuss.

Mit 16 von 18 abgegebenen Stimmen wurde der damals zweite Bürgermeister Ambrosius Leisgang zum Vorsitzenden gewählt.

Sein Stellvertreter und Leiter der Musikkapelle wurde Jakob Merz, Kassenwart Klaus Kaluza und Schriftführer Alois Geißler.

Außerdem wurden Andreas Reißer, Georg Herold und Georg Schirmer zu Beisitzern, Otto Hack und Peter Kunze zu Jugendleitern bestellt.

Vom Vorstand Ambrosius Leisgang erwarteten die Anwesenden, dass er den Musikverein voranbringen würde, wie er es schon bei anderen Vereinen getan hatte.

Der zweite Vorsitzende Jakob Merz, ein langjähriger Musikant, sollte als Dirigent die Musikkapelle aufbauen, was ihm auch bestens gelang. Vorstand Ambrosius Leisgang indes war eifrig unterwegs für den Musikverein zu werben, passive Mitglieder als tragende Säulen zu gewinnen und Jugendliche für ein Instrument zu begeistern.

Unter Jakob Merz wurde zwei Mal in der Woche geprobt, am Mittwoch Abend und am Sonntag Vormittag nach dem Gottesdienst. Dem unermüdlichen Einsatz von Jakob Merz und den regelmäßig angesetzten Proben war es zu verdanken, dass schon bald bei kirchlichen Festen und gemeindlichen Veranstaltungen gespielt werden konnte.

Um die Musik weiter voranzubringen, wurden dann Musiklehrer engagiert:

Edgar Roske stärkte die Marschmusik und das dazugehörende Marschieren in der Kapelle.

Ullrich Keller und Klaus Hammer hatten ihr Augenmerk auf Klangqualität und Harmonie.

Michael Tessaro übernahm die Kapelle, richtete sie neu aus, wagte sich an moderne Musik und steigerte das musikalische Niveau deutlich und nachhaltig.

Nach Markus Brütting übernahm Johannes Schmitt den Dirigentenstab, forcierte Unterhaltungsmusik und förderte die Gemeinschaft, indem er das jährliche Probenwochenende einführte. Von 2007 bis 2012 dirigierte Stefan Nitsche die Kapelle. Seit 2013 leitet der Diplom Musiklehrer und Leiter der Musikschule Ebermannstadt Wojciech Grabietz sehr erfolgreich die Kapelle.

In den Zeiten, in denen kein fester Dirigent engagiert war, war es die Aufgabe von Jakob Merz und später von Otto Hack als Kapellmeister die Gruppe zusammenzuhalten, die Proben fortzuführen und das musikalische Können bei Festzügen und Veranstaltungen darzubringen.

1985 wurde eine einheitliche Uniform angeschafft in den Farben des Pretzfelder Wappens, Blau und Weinrot, die 1993 erneuert und mit Trachten für die Musikantinnen ergänzt wurde.

Anfang 1990 wurde der Beitritt zum Nordbayerischen Musikbund, Kreisverband Forchheim vorbereitet und beschlossen. Dadurch konnten die ersten Musiker am D1 Lehrgang teilnehmen und das Bronzeabzeichen erlangen.

1996 richtete dann der Musikverein Pretzfeld das Kreismusikfest aus. Höhepunkte der Musikkapelle waren neben den Auftritten im Ort und im Landkreis die Teilnahmen an den deutschen Wandertagen 88 in Bamberg, 89 in Berlin, 90 in Arnsberg im Sauerland, 91 in Pirmasens sowie in Naila und Aschaffenburg. 

 

In der Jahreshauptversammlung 2001 übernahm der bis dahin zweite Vorsitzende Otto Stenglein die Leitung des Vereins. Ambrosius Leisgang wurde im Juni 2001 zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Von 2007 bis 2009 war Walther Metzner der erste Vorstand, danach führte bis 2010 die zweite Vorsitzende Margit Kraus kommissarisch den Verein.

Von 2010 bis 2015 stand Otto Stenglein dem Verein vor. Seit 2015 übernimmt Christian Hetz dieses Amt.

Ein großer Wunsch unseres inzwischen verstorbenen Ehrenvorsitzenden Ambrosius Leisgang war es, die Freundschaft mit den württenberger Bretzfeldern zu festigen. Sehr gerne kommen wir diesem Wunsch nach, bereichern doch seit 1986 gegenseitige Besuche und Auftritte unser Vereinsleben.

1983 wurde der Musikverein Pretzfeld mit 19 Mitgliedern gegründet, heute umfasst er 300 Mitglieder.

Dank und Anerkennung gehört vor allem unserem verstorbenen Ehrenvorstand Ambrosius Leisgang sowie allen Gründungsmitgliedern, die mit Herzblut diesen Verein aufgebaut haben, ihn tragen bzw. getragen haben.